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Bitter wie das Leben sind jene Texte



Die Vorleser PDF  | Drucken |
Geschrieben von: Stella Leonis   
Mittwoch, den 28. Oktober 2009 um 09:43 Uhr

Wenn wir für etwas Geld ausgeben, erwarten wir natürlich, dass etwas dem Wert entsprechendes zu uns zurückkommt. Das ist so bei Dienstleistungen, als auch bei den alltäglichen Besorgungen. So auch bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern.

 

Nun haben diese neben Krimi und Heimatsendungen auch kulturelles ins Programm genommen. Nachdem die beliebte Sendung "Lesen!" abgesetzt worden war, fehlte natürlich etwas, was sich mit dem geschriebenen Wort beschäftigte. Dem sollte natürlich Abhilfe geschafft werden, und so kam dieses Jahr ein neues, frischeres Format daher mit dem Titel "Die Vorleser". Ein Teil wird sich jetzt an das Buch und den gleichnamigen Film "Der Vorleser" erinnern. Während dort jedoch auch wirklich vorgelesen wurde, wurde dieser Sendung der Name einfach verliehen, anstatt ihn wirklich verdient zu haben.

 

Wenn man den Titel in der Fernsehzeitschrift liest, so erwartet man natürlich eine Vorstellung von Büchern, ein Lustmachen auf das Lesen, einen Eindruck von neuen Werken durch Lesen einiger Szenen, die Vermittlung von der Faszination Lesen. Nun, Bücher wurden vorgestellt. Die beiden Moderatoren diskutieren über ein Buch, jedoch wirkte sie leicht pikiert, wenn er an seiner positiven Meinung von einem Buch festhielt. Über Geschmack lässt sich nicht streiten, doch derjenige, der das Buch vorstellt, weil es ihm gefällt, sollte auch derjenige sein, der im wesentlichen über das Werk redet und vielleicht auch mal daraus vorliest. Vielleicht… vielleicht auch nicht. Letzteres war hier immer der Fall.

 

Somit stand die Meinung der Moderatoren im Vordergrund, die dazu noch mehr mit sich und nicht mit dem Publikum beschäftigt waren. Ein Kontakt zu den Zuschauern fand am Anfang bei der Begrüßung, ab und an zwischendurch, sowie am Ende statt, wenn es darum ging die Zuschauer mittels eines Quiz weiterhin an die Sendung zu binden. Ansich schon verwunderlich, dass eine Sendung, die es so selten gibt, dass sie schon aufgrund ihrer Rarität ein Zuschauermagnet sein müsste, ein Quiz braucht, um auch gegen Ende noch interessant zu sein.

 

Eine zentrale Rolle spielt auch der Gast, jedoch nicht sein mitgebrachtes Buch. Wen interessiert bitte der detaillierte Werdegang, der kommende Film in aller Ausführlichkeit, in einer Sendung für Bücher? Mich nicht. Schön, wenn der Gast vorgestellt wird, doch dies kann man kurz halten und sollte man auch, denn sonst passiert eben folgendes: man weiß alles über den Gast, aber fast nichts über sein Buch, warum es ihn fasziniert und warum man sich überlegen sollte, es zu lesen. Immerhin positiv anzumerken ist, dass der Gast der einzige ist, der aus seinem Buch wenigstens einen Absatz vorliest. Bevor man hier jedoch in die Hände klatscht vor Freude, muss man bedenken, dass es sich hierbei nicht um ein Vorlesen während der Sendezeit handelt, sondern um eine Aufnahme, die man dann einblenden. Schade! Wieder eine Chance, dem Titel des Programme gerecht zu werden, vertan.

 

Natürlich möchte man die Meinung der vorstellenden Moderatoren wissen, aber reichen dafür nicht zwei, drei Sätze? Muss es dazu eine minutenlange Diskussion geben? Zumal die Diskussionen nicht mal einen fesselnden Charakter aufweisen. Die Unterhaltung wirkt steif, als wäre man nicht textsicher, als wäre man nicht in seinem Element. Wenn ich mir einen auswendig gelernten Dialog anhören möchte, gehe ich ins Theater und schaue mir keine Sendung über Bücher an, von denen ich einen Eindruck vermittelt bekommen möchte. Das ist der Punkt: der Eindruck von dem Buch ist die Meinung des Moderators, der es für gut befunden hat, jedoch lässt man das Buch nicht für sich selbst sprechen. Man bekommt eher den Eindruck, dass hier zwei Leute einfach nur ihren Job machen, die Liebe zu den Büchern wird einfach nicht vermittelt.

 

Was jedoch ein gut integriertes Element ist, ist die "Drei Bücher in drei Minuten"-Vorstellung. Nachdem Vorstellen von Büchern den beiden am besten gelingt, läuft dies hier flüssig und flott ab. Eine kleine Inhaltsangabe, ein zwei Worte noch zum Buch. Hier erwartet man natürlich, dass keine Szenen vorgelesen werden. Aber nur weil man es in diesen 3 Minuten nicht erwartet, heißt das nicht, dass man es generell nicht erwartet oder? Ansonsten könnte man die Sendung gleich in "Die Vorsteller" umbenennen.

 

Die Idee für dieses Programm ist gut, aber die Ausführung hakt einfach. Man wird nicht gefesselt, man wird nicht von den ausgewählten Büchern sofort angesprochen, man fragt sich, wo der Charme des alten Formats abgeblieben ist. Niemand will bei einer solchen Sendung von den hölzernen Dialogen der beiden unterhalten werden, man möchte nur weitere Werke kennen lernen. Vielleicht bessert es sich noch, wenn nicht bleibt nur ein Wort dafür: Schade

 
Wozu haben wir eine Mitbestimmung in Deutschland? PDF  | Drucken |
Geschrieben von: Stella Leonis   
Samstag, den 24. Oktober 2009 um 21:35 Uhr

In einem Deutschland, in dem die Menschen Ihr recht auf Mitbestimmung nur alle paar Jubeljahre ausleben, indem sie ein Kreuzchen setzen, fragt sich, ob die Entscheidung zwischen Freiheit oder Sicherheit von oder für uns getroffen wird. Oder wurde? Wenn man sich überlegt, dass die Stärke des Deutschen darin liegt zu sagen "Das habe ich nicht gewusst und nicht gesehen", ist es nur wahrscheinlich, dass jene essentielle Frage nach Freiheit oder absoluter Sicherheit für uns über unsere Köpfe hinweg entschieden werden wird. Oder wurde?

Jene Frage, ob man lieber die Gewissheit haben möchte, dass alles aufgezeichnet wird und man nicht einmal einen Blick gen Himmel werfen kann, ohne dass dies mitbekommen wird, oder ob man lieber auch einfach gegen Staat wettern möchte, ohne dass dies einem zum Nachteil gereicht, muss JEDER für sich selbst entscheiden. Freiheit oder Sicherheit? Das eine geht nicht mit dem anderen. Entweder weiß der Staat alles und sorgt somit für Sicherheit auf den Straßen und in den Köpfen, oder aber er weiß gar nichts und stellt nur den Rahmen für unser Leben.

Und wurden wir eigentlich je gefragt? Wurden wir gefragt, ob wir die Vorratsdatenspeicherung haben möchten? Sind die Deutschen dagegen auf die Straße gegangen? Wurde je gefragt, ob wir den biometrischen Pass haben möchten, sodass man nicht mal ohne Kenntnis des werten Rollstuhlfahrers in den Urlaub fahren kann?  Wurde gefragt, ob wir jene Onlinedurchsuchung in Ordnung finden? Ist irgendjemand dagegen aufgestanden und hat sich dagegen öffentlich und unter Unterstützung tausend anderer ausgesprochen?

Ach nein, ist ja alles harmlos, nicht wahr? Schön, werden meine Emailversanddaten eben gespeichert. Ich habe ja nichts zu verbergen.  Und ich will ja auch keine Bomben in Paris legen, also ist das mit dem Pass ja auch nicht so schlimm. Sollen sie doch meine Daten speichern, ich hab ja nichts zu verbergen.  Und auf meinem PC befinden sich auch keine heiklen Daten, sollen sie doch die Onlinedurchsuchung machen. Ich habe ja nichts zu verbergen.

Wieviele Deutsche haben eigentlich so gedacht? Und denken auch jetzt noch so? Dank der Salamischeibentaktik unserer Politiker erscheinen all die kleinen Schritte, mit denen mehr und mehr Daten über uns gespeichert werden, ja regelrecht harmlos. Schließlich vergisst der Mensch schnell im Alltag und so übersieht man dann schonmal den ganzen Berg an Überwachungsmethoden, der sich schon aufgetürmt hat. Ach, so eine kleine Vorratsdatenspeicherung... was solls, ändert eh nichts an meinem Leben.

Ah, da ist er, der Knackpunkt! Einer, von denen Politiker sicher auch wissen. Solange ich aufgrund eines neuen Gesetzes nichts an meinen Lebensgewohnheiten ändern muss, nehme ich die Änderung einfach hin. Der Deutsche ist eine Geduldsmensch und wir besitzen die Mentalität Gesetze, die beschlossen worden, hinzunehmen und ihnen zu folgen. Jene Ordentlichkeit, die im Ausland so gelobt wird, ist uns in der Vergangenheit schon auf die Füße gefallen, doch gelernt haben wir daraus nichts. Wir gehen nicht auf die Straße, wenn ein Gesetz beschlossen wird, welches im Grunde nur ein weiterer Schritt in Richtung Überwachungsstaat ist, aber wir demonstrieren, wenn es um unser Geld geht! Klar, ohne Geld oder mit weniger geht ja die Bequemlichkeit flöten.

Und wenn im Unterricht eine Belegarbeit über jene Missstände in Deutschland mit einer 5 benotet wird, spricht das auch Bände. Habe eine Meinung, solange sie jener der Mehrheit entspricht. Wir könnten soviel bewegen in Deutschland, schließlich sind wir das Volk, aber es ist ja alles ganz harmlos... nicht wahr?

 
Noch eins, bitte PDF  | Drucken |
Geschrieben von: Stella Leonis   
Samstag, den 24. Oktober 2009 um 21:30 Uhr

Über Studenten sagt man, dass abgesehen von saufen und Rausch aussschlafen, die Wochenenden mit nichts anderem sinnvollen gefüllt werden. Jenes Klischee ist auch nichts weiter als ein knallharter Fakt.

So geht man Freitags zu einem Kommilitonen, wo noch ein anderer Mitstudent, den man nicht kennt, kommt. Vermouth, Bier, Whisky und Kräuterschnaps, egal, gieß ein Kumpel, hoch die Gläser, nieder mit dem Alkohol. Die Gespräche drehen sich von Bittorrent weiter zu Anarchie und Demokratie, Bildungssystem, Leistungskurswahl, Finanzierung, Finanzkrise, Deutschland... achja und wieder zurück zu Bittorrent. Welche Tatsache damit bewiesen war und auf der Hand lag, weiß auch nur der, der das behauptet hat.

Der Morgen danach, man ist die Sonne heute hell. Ach es ist bewölkt? Nach vier Tassen Kaffee fühlt man sich nicht munterer, aber man kann sich zumindest einbilden fitter zu wirken. Nach einer Runde verlaufen findet man auch den Bahnhof wieder, holt einen Kumpel ab und nachdem man sich gemeinsam noch eine Portion Schlaf gegönnt hat, welcher eher einem Koma gleich kam, geht es nach einem Trip über den Weihnachtsmarkt in die nächste Kneipe. Sechs Drinks und einen Kneipenwechsel später ist der Vollrausch komplett.

War der Boden schon immer so unsicher zu begehen? Und wieso zur Hölle bin ich hier lang gelaufen, kamen wir nicht von der anderen Seite? Und wer hat eigentlich auf Seegang geschaltet? Bin ich auf einem Karrusell oder drehe ich mich?Ah, ein Bett... mein Bett?!

Nach dem zweiten Koma schleicht sich das Kätzchen recht schnell wieder nach einem kleinen Frühstück und extra Kaffee. Die Matratze ist mit ihrem Monolog immer noch nicht  fertig und der Drang zuzuhören ist größer als der Gedanke daran, man könnte noch was erledigen.

Am Abend, der Kumpel ist wieder gefahren, geht es wieder zum Kommilitonen vom Freitag. Gleiche Besetzung, gleiche Getränke... wieso steht der Schrank schräg? Oder bin ich das?

Aus dem Schlaf der Toten geweckt durch einen Wecker, den jemand in weiser Voraussicht gestellt hat, und schon wieder blendet die Sonne, obwohl sie noch nicht einmal hinter dem Haus hervorgekommen ist. Die Blässe lässt einem fast wie eine Leiche aussehen, die Augenringe ließen sich gut als Rettungsringe für Kreuzfahrtschiffe verwenden und der Restalkohol lässt einen sich an die Tasse mit Kaffee klammern, als sei es der rettende Strohhalm.

Ab nach Hause.. und noch eine technische Zeichnung anfertigen...

 
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