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Wenn wir für etwas Geld ausgeben, erwarten wir natürlich, dass etwas dem Wert entsprechendes zu uns zurückkommt. Das ist so bei Dienstleistungen, als auch bei den alltäglichen Besorgungen. So auch bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern.
Nun haben diese neben Krimi und Heimatsendungen auch kulturelles ins Programm genommen. Nachdem die beliebte Sendung "Lesen!" abgesetzt worden war, fehlte natürlich etwas, was sich mit dem geschriebenen Wort beschäftigte. Dem sollte natürlich Abhilfe geschafft werden, und so kam dieses Jahr ein neues, frischeres Format daher mit dem Titel "Die Vorleser". Ein Teil wird sich jetzt an das Buch und den gleichnamigen Film "Der Vorleser" erinnern. Während dort jedoch auch wirklich vorgelesen wurde, wurde dieser Sendung der Name einfach verliehen, anstatt ihn wirklich verdient zu haben.
Wenn man den Titel in der Fernsehzeitschrift liest, so erwartet man natürlich eine Vorstellung von Büchern, ein Lustmachen auf das Lesen, einen Eindruck von neuen Werken durch Lesen einiger Szenen, die Vermittlung von der Faszination Lesen. Nun, Bücher wurden vorgestellt. Die beiden Moderatoren diskutieren über ein Buch, jedoch wirkte sie leicht pikiert, wenn er an seiner positiven Meinung von einem Buch festhielt. Über Geschmack lässt sich nicht streiten, doch derjenige, der das Buch vorstellt, weil es ihm gefällt, sollte auch derjenige sein, der im wesentlichen über das Werk redet und vielleicht auch mal daraus vorliest. Vielleicht… vielleicht auch nicht. Letzteres war hier immer der Fall.
Somit stand die Meinung der Moderatoren im Vordergrund, die dazu noch mehr mit sich und nicht mit dem Publikum beschäftigt waren. Ein Kontakt zu den Zuschauern fand am Anfang bei der Begrüßung, ab und an zwischendurch, sowie am Ende statt, wenn es darum ging die Zuschauer mittels eines Quiz weiterhin an die Sendung zu binden. Ansich schon verwunderlich, dass eine Sendung, die es so selten gibt, dass sie schon aufgrund ihrer Rarität ein Zuschauermagnet sein müsste, ein Quiz braucht, um auch gegen Ende noch interessant zu sein.
Eine zentrale Rolle spielt auch der Gast, jedoch nicht sein mitgebrachtes Buch. Wen interessiert bitte der detaillierte Werdegang, der kommende Film in aller Ausführlichkeit, in einer Sendung für Bücher? Mich nicht. Schön, wenn der Gast vorgestellt wird, doch dies kann man kurz halten und sollte man auch, denn sonst passiert eben folgendes: man weiß alles über den Gast, aber fast nichts über sein Buch, warum es ihn fasziniert und warum man sich überlegen sollte, es zu lesen. Immerhin positiv anzumerken ist, dass der Gast der einzige ist, der aus seinem Buch wenigstens einen Absatz vorliest. Bevor man hier jedoch in die Hände klatscht vor Freude, muss man bedenken, dass es sich hierbei nicht um ein Vorlesen während der Sendezeit handelt, sondern um eine Aufnahme, die man dann einblenden. Schade! Wieder eine Chance, dem Titel des Programme gerecht zu werden, vertan.
Natürlich möchte man die Meinung der vorstellenden Moderatoren wissen, aber reichen dafür nicht zwei, drei Sätze? Muss es dazu eine minutenlange Diskussion geben? Zumal die Diskussionen nicht mal einen fesselnden Charakter aufweisen. Die Unterhaltung wirkt steif, als wäre man nicht textsicher, als wäre man nicht in seinem Element. Wenn ich mir einen auswendig gelernten Dialog anhören möchte, gehe ich ins Theater und schaue mir keine Sendung über Bücher an, von denen ich einen Eindruck vermittelt bekommen möchte. Das ist der Punkt: der Eindruck von dem Buch ist die Meinung des Moderators, der es für gut befunden hat, jedoch lässt man das Buch nicht für sich selbst sprechen. Man bekommt eher den Eindruck, dass hier zwei Leute einfach nur ihren Job machen, die Liebe zu den Büchern wird einfach nicht vermittelt.
Was jedoch ein gut integriertes Element ist, ist die "Drei Bücher in drei Minuten"-Vorstellung. Nachdem Vorstellen von Büchern den beiden am besten gelingt, läuft dies hier flüssig und flott ab. Eine kleine Inhaltsangabe, ein zwei Worte noch zum Buch. Hier erwartet man natürlich, dass keine Szenen vorgelesen werden. Aber nur weil man es in diesen 3 Minuten nicht erwartet, heißt das nicht, dass man es generell nicht erwartet oder? Ansonsten könnte man die Sendung gleich in "Die Vorsteller" umbenennen.
Die Idee für dieses Programm ist gut, aber die Ausführung hakt einfach. Man wird nicht gefesselt, man wird nicht von den ausgewählten Büchern sofort angesprochen, man fragt sich, wo der Charme des alten Formats abgeblieben ist. Niemand will bei einer solchen Sendung von den hölzernen Dialogen der beiden unterhalten werden, man möchte nur weitere Werke kennen lernen. Vielleicht bessert es sich noch, wenn nicht bleibt nur ein Wort dafür: Schade
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